Mühselig aber lohnend - 16. Plakat „Behind the Picture“

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Seit 1992 ist Michael Bergediek Sozialarbeiter für Flüchtlingsbetreuung bei der Stadt Sprockhövel. „Ich bin also hauptamtlich für Flüchtlinge tätig, habe aber vorher mehrere Jahre ehrenamtlich in Initiativen mitgearbeitet,“ berichtet der 58jährige. Er ist auf dem 16. Plakat des Flüchtlingshilfe-Integrationsprojektes „Behind the Picture - Gesichter mit Geschichten“ zu sehen, das heute veröffentlicht wurde.

„Die meisten Erfahrungen mit anderen Kulturen habe ich in Deutschland gemacht,“ sagt Michael Bergediek. Während seines Studiums in Essen lernte er nebenher in Intensivkursen Türkisch, Persisch und Kurdisch. Das erleichtert ihm heute seine Arbeit mit Geflüchteten.

Immer wieder musste er feststellen, dass Kinder mit Migrationshintergrund diskriminiert wurden: „Wie oft bekam ich zu hören: »Der/die wird die Schule nicht schaffen!« Später konnte ich die strahlenden Betroffenen zum Abitur beglückwünschen. Wie oft beschwerten sich Lehrkräfte über mangelnde Sprachkenntnisse von Schülern, bei denen sie selbst sich nicht die Mühe machten, die richtige Aussprache ihres Namens zu lernen. Bis heute bestehen solche Missstände fort. Ich empfinde es immer noch so, dass das Engagement für Chancengleichheit auf diesem Gebiet sehr mühselig ist, aber lohnend. Meine Berufswahl bereue ich nicht.“

„Für mich persönlich war der Kontakt zu Menschen aus anderen Kulturen durchgehend eine Bereicherung. Letztlich haben wir Menschen alle mit denselben Freuden und Sorgen zu leben. Keiner ist mehr oder weniger wert als andere,“ betont Michael Bergediek und freut sich über die Flüchtlingshilfe in Sprockhövel: "Ich finde toll, wie viele sich für ein friedliches Zusammenleben engagieren. Das ist wirklich mehr als vorbildlich und überdurchschnittlich. Trotzdem betrachte ich mit Sorge, dass das Thema trotz unveränderter Wichtigkeit doch wieder etwas in den Hintergrund tritt und auch feindliche Tendenzen wieder zugenommen haben. Es ist unser aller Aufgabe, eine integrierte, gleichberechtigte Gesellschaft zu
schaffen. Es muss ausreichend Förderung für Spracherwerb, für Kinder, Jugendliche, Berufsqualifikationen geben. Der Weg zu einer nichtrassistischen Gesellschaft muss weitergehen. Es darf nicht sein, dass eine freie Wohnung plötzlich vergeben ist, wenn der oder die Anrufende einen nichtdeutschen Namen hat.“

Mit den Plakaten an der Hauptstraße 31 in Niedersprockhövel und an der Mittelstraße 43 in Haßlinghausen will die Flüchtlingshilfe dazu anregen, sich im Internet unter www.behind-the-picture.de weiter zu informieren. Dort gibt es nun auch die Geschichte von Michael Bergediek sowie ein Video-Interview mit ihm. Das Projekt soll Vorurteile abbauen und zugleich einen Beitrag zum 50-jährigen Stadtjubiläum Sprockhövels leisten.

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