Niemand flieht freiwillig - Achtes Plakat der Flüchtlingshilfe-Kampagne

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„Immer wieder neue Herausforderungen.“ Das steht auf dem achten Plakat der Flüchtlingshilfe-Kampagne „Behind the Picture - Gesichter mit Geschichten“, das heute
geklebt wurde. So fasst Akhmad Muzafarov aus Tadschikistan die vielen Stationen seines bisherigen Lebens zusammen. Er ist auf dem Plakat zusammen mit seiner Frau Rafoatkhon
Asoeva zu sehen.
„Niemand flieht freiwillig. Immer mehr Menschen werden weltweit vertrieben und fliehen vor Gewalt, staatlicher Verfolgung, Kriegen oder Diskriminierung,“ sagt der 42jährige Vater dreier Kinder. „Meine Familie und ich sind im Jahr 2016 aufgrund politischer Verfolgung nach Deutschland geflohen. Denn in Tadschikistan herrschen seit 2015 Oppositionsverbot und Repressionen.“ Die Flucht war dramatisch und musste schnell erfolgen: „Das waren für uns die schwärzesten Tage unseres bisherigen Lebens. Wir standen alle unter Schock. Meine Frau war im siebten Monat schwanger und durfte aus gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht reisen oder fliegen. Das Risiko war zu hoch, aber wir hatten nur wenige Tage Zeit, um das Land zu verlassen und einen sicheren Ort zu finden. Wir hatten keine andere Wahl, als unsere Wohnung, die Autos, alle Gegenstände und das Unternehmen, das ich über Jahre aufgebaut hatte, zu verlassen. Mit jeder Stunde wuchs der Zeitdruck.“
Muzafarov, der auch in Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet hat, spricht neben mehreren Sprachen inzwischen auch sehr gut deutsch. Er steht inzwischen kurz vor dem Ende seiner Ausbildung zum Immobilienkaufmann und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „In Sprockhövel gibt es mit der Flüchtlingshilfe eine starke Bürgerinitiative. Wegen ihrer Arbeit herrscht hier ein sehr positives Integrationsklima. Ich hoffe, dass wir hier eine Zukunft ohne Gewalt, Wut, Angst, Diskriminierung und Enttäuschungen haben werden.“
Mit den Plakaten an der Hauptstraße 31 in Niedersprockhövel und an der Mittelstraße 43 in Haßlinghausen will die Flüchtlingshilfe dazu anregen, sich im Internet unter www.behind-the-picture.de weiter zu informieren. Dort gibt es nun auch die Geschichte von Akhmad Muzafarov und seiner Familie sowie ein Video-Interview mit ihm. Die Kampagne soll Vorurteile abbauen und zugleich einen Beitrag zum 50jährigen Stadtjubiläum Sprockhövels leisten.

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